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Was ein Label von einem Musikvideo erwartet

von Loss · 6. September 2026 · 2 Min. Lesezeit

Zwei Rapper bei blauer Stunde vor Feuerwerk beim Dreh zum Musikvideo Killy Manjaro Euromix

Ein Video für einen Artist zu drehen und ein Video für ein Release zu liefern, das ein Label betreut, sind zwei verschiedene Jobs. Der Dreh sieht gleich aus. Alles drumherum nicht.

Ich schreib hier auf, was in der Praxis erwartet wird. Nicht, weil das geheim wäre, sondern weil es im deutschen Netz kaum jemand aufschreibt und Artists dann in ihr erstes Label-Projekt laufen, ohne es zu wissen.

Die Deadline ist nicht der Release-Tag

Das ist der erste und größte Denkfehler. Das Video muss deutlich vor dem Release fertig sein, weil danach noch eine Kette hängt: Marketing braucht Assets für die Ankündigung, der Vertrieb braucht Vorlauf, Presse bekommt Material vorab.

Dazu kommt das Streaming-Timing. Spotify will Songs mindestens sieben Tage vor Veröffentlichung eingereicht haben, und in der Praxis wird deutlich früher gepitcht. Wenn dein Video am Release-Tag fertig wird, hast du die halbe Promo verpasst. Ich plane Label-Projekte deshalb immer rückwärts vom Release, nicht vorwärts vom Drehtag.

Es ist nie nur ein Video

Ein Label denkt in Assets, nicht in einem Film. Erwartet wird üblicherweise ein 16:9-Master, dazu mehrere vertikale Schnitte für Reels, TikTok und Shorts, ein oder zwei kurze Teaser für die Ankündigung, ein Spotify Canvas und Standbilder aus dem Material für Presse und Social.

Bei Canvas sind die Vorgaben hart. Laut Spotifys eigenen Richtlinien sind es drei bis acht Sekunden, vertikal im Verhältnis 9:16, zwischen 720 und 1080 Pixel Höhe, als MP4 oder JPG. Nichts davon ist Auslegungssache. Passt es nicht, wird es abgelehnt.

Vertikale Assets sind keine Zugabe mehr, sie sind Teil des Auftrags. Wer das erst nach dem Dreh mitdenkt, muss Material beschneiden, das nie dafür gedacht war, und dann sieht man es.

Freigaben laufen über mehrere Tische

Bei einem Artist gibt es eine Meinung. Bei einem Label sind es meistens vier: Artist, Management, A&R, Marketing. Jede Runde kostet zwei bis drei Tage, und die Kommentare widersprechen sich regelmäßig.

Was hilft, ist eine feste Regel: eine gebündelte Rückmeldung pro Runde, eine Person, die sie zusammenfasst. Ich frage bei jedem Label-Projekt am Anfang, wer final entscheidet. Diese eine Frage hat mir mehr Zeit gespart als jede Software.

Technische Abnahme

Der Master wird geprüft, und zwar auf Kriterien, die beim Direktkunden nie auftauchen. Farbraum Rec.709 für SDR, saubere Auflösung und Framerate ohne krumme Konvertierung, Ton in der finalen Masterversion und nicht im Demo-Mix, Video ohne Wasserzeichen und ohne Timecode. Die technischen Spezifikationen von YouTube sind dabei der Mindeststandard, nicht das Ziel.

Dazu kommt Clearance. Markenlogos im Bild, fremde Personen ohne Einverständnis, Locations ohne Drehgenehmigung. Sowas fliegt auf, und dann darfst du neu schneiden.

Warum ich das öffentlich schreibe

Weil es kein Geheimwissen ist, sondern Handwerk. Und weil ein Artist, der diese Anforderungen kennt, für jedes Team leichter zu buchen ist.

Wie ein Projekt zeitlich abläuft, steht in diesem Beitrag. Welche Formate du überhaupt brauchst, klärt dieser hier.

Du planst ein Release mit Label oder Management im Rücken? Lass uns reden.

Kurz beantwortet

Reicht ein normales 16:9-Musikvideo für ein Label-Release?
Meistens nicht. Erwartet werden zusätzlich vertikale Schnitte für Reels und TikTok, ein Spotify Canvas und oft ein kurzer Teaser für die Ankündigung.
Wann muss das Video für ein Label fertig sein?
Deutlich vor dem Release, nicht am Release-Tag. Marketing, Vertrieb und Presse brauchen Vorlauf, deshalb plane ich Label-Projekte rückwärts vom Veröffentlichungstermin.
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